Make vs. Zapier vs. n8n: Der ehrliche Vergleich 2026
Wenn du Routinearbeit automatisieren willst — Rechnungen ablegen, Leads in die Tabelle schreiben, E-Mails vorsortieren — landest du früher oder später bei einem dieser drei Werkzeuge: Make, Zapier oder n8n. Alle drei verbinden deine Apps miteinander und führen Abläufe automatisch aus. Damit hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf.
Ich arbeite mit allen dreien und sage dir am Ende dieses Artikels klar, welches Tool ich wem empfehle. Vorweg der wichtigste Satz des Vergleichs: Das teuerste Tool ist nicht das beste, und das beste Tool für deinen Nachbarn ist nicht das beste für dich.
Transparenz: Dieser Artikel wird künftig mit Sternchen (*) gekennzeichnete Affiliate-Links enthalten. Meine Bewertung ändert das nicht — Zapier bekommt hier trotzdem sein Fett weg, obwohl ausgerechnet die beiden anderen Tools Partnerprogramme haben.
Die Kurzfassung für Eilige
| Make | Zapier | n8n | |
|---|---|---|---|
| Am besten für | Preisbewusste Einsteiger & KMU | Maximale App-Auswahl, minimale Einarbeitung | Technikaffine, Datenschutz-Fans, hohes Volumen |
| Einstiegspreis (bezahlt) | ~9 $/Monat | ~20 $/Monat | ~20–24 €/Monat (Cloud) oder 0 € selbst gehostet |
| Abrechnung | Credits pro Arbeitsschritt | Tasks pro Aktion | Executions pro Workflow-Durchlauf |
| Lernkurve | mittel | flach | steil |
| Datenhaltung | EU möglich | USA | dein eigener Server möglich |
Die Preismodelle — hier trennt sich die Spreu vom Weizen
Die drei Tools rechnen fundamental unterschiedlich ab, und genau hier entstehen die bösen Überraschungen.
Zapier zählt „Tasks“: Jede ausgeführte Aktion kostet einen Task. Der Professional-Plan startet bei ca. 20 $/Monat (jährliche Zahlung) — und enthält 750 Tasks. Das klingt viel, ist es aber nicht: Ein Workflow, der pro neuer E-Mail drei Aktionen ausführt und 10× am Tag läuft, verbrennt über 900 Tasks im Monat. Dann wird automatisch teurer nachberechnet (ca. Faktor 1,25). Der kostenlose Plan erlaubt nur noch Zwei-Schritt-Zaps — Trigger plus eine Aktion — damit lässt sich kaum etwas Sinnvolles bauen.
Make zählt „Credits“ (früher Operations): Jeder Modul-Durchlauf kostet einen Credit. Der Core-Plan kostet ~9 $/Monat und enthält 10.000 Credits — mehr als das Zehnfache von Zapiers Einstiegskontingent für weniger als die Hälfte des Preises. Der Gratis-Plan (1.000 Credits, 2 aktive Szenarien, 15-Minuten-Intervall) reicht zum ernsthaften Testen.
n8n zählt „Executions“: Ein kompletter Workflow-Durchlauf = eine Execution, egal ob der Workflow 2 oder 50 Schritte hat. Bei komplexen Workflows ist das ein gewaltiger Kostenvorteil. Cloud-Starter: ca. 20–24 €/Monat für 2.500 Executions, seit 2026 ohne Begrenzung der aktiven Workflows. Und dann ist da noch der Elefant im Raum: Die Community Edition ist Open Source und kostenlos — du kannst n8n auf einem eigenen Server für unter 5 €/Monat unbegrenzt betreiben. Dazu gleich mehr.
Rechenbeispiel: Du willst monatlich rund 10.000 Automatisierungsschritte ausführen.
- Make Core: ~9 $/Monat ✅
- n8n Cloud Pro: ~50–60 €/Monat (bei vielen Schritten pro Workflow deutlich günstiger, weil nur Durchläufe zählen)
- n8n selbst gehostet: ~5 €/Monat Serverkosten, egal wie viele Schritte
- Zapier: dafür brauchst du den Team-Plan — über 100 $/Monat ❌
Was die Tools wirklich unterscheidet
Zapier: Die größte App-Bibliothek, der höchste Preis
Zapiers Stärke ist unbestritten: kein anderes Tool verbindet mehr Apps. Wenn du ein exotisches Nischen-Tool automatisieren willst, ist die Chance bei Zapier am größten, dass ein fertiger Connector existiert. Die Bedienung ist die einfachste der drei — lineare Abläufe, klare Oberfläche, in 15 Minuten steht der erste Zap.
Aber: Du bezahlst diesen Komfort dreifach. Der Task-Preis ist der höchste am Markt, komplexe Logik (Verzweigungen, Schleifen) fühlt sich schnell umständlich an, und deine Daten laufen über US-Server — für DSGVO-sensible Anwendungsfälle ein echtes Thema.
Make: Der Preis-Leistungs-Sieger für visuelle Denker
Make setzt auf einen visuellen Canvas: Du siehst deinen Workflow als Diagramm mit Modulen und Verbindungen — Verzweigungen, Filter, Iteratoren inklusive. Wer gern „sieht“, was passiert, wird Make lieben. Über 3.000 Integrationen decken die allermeisten Alltags-Apps ab, und das Credit-Kontingent ist so großzügig, dass die Kostenfrage für Einzelkämpfer und kleine Teams praktisch erledigt ist.
Die Kehrseite: Die Lernkurve ist steiler als bei Zapier. Konzepte wie Bundles und Iteratoren muss man einmal verstanden haben — danach will man aber nicht mehr zurück. Für EU-Nutzer relevant: Make bietet EU-Rechenzentren.
n8n: Das Kraftpaket für alle, die es ernst meinen
n8n ist das technischste der drei Tools — und das mächtigste. Workflows können Code-Schritte enthalten (JavaScript/Python), es gibt native KI-Nodes (eigene Agents mit Claude, GPT & Co. bauen), und als Open-Source-Tool kannst du alles selbst hosten: Deine Daten verlassen deinen Server nie. Für alle, die mit Kundendaten, Gesundheitsdaten oder anderen sensiblen Informationen arbeiten, ist das der entscheidende Punkt.
Die ehrliche Warnung: n8n verlangt technisches Grundverständnis. Wer noch nie von Docker gehört hat und es selbst hosten will, hat erst mal einen Lernabend vor sich (eine Schritt-für-Schritt-Anleitung dazu folgt hier im Blog). Die Cloud-Version nimmt dir das ab, kostet aber mehr als Make.
Mein Urteil: Wer sollte was nehmen?
Nimm Make, wenn… du ohne Programmierkenntnisse ernsthaft automatisieren willst und ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis suchst. Für 80 % der Selbständigen und kleinen Teams ist Make der richtige Standard.
Nimm n8n, wenn… du technisch fit bist (oder es werden willst), deine Daten unter Kontrolle behalten musst oder sehr hohes Volumen fährst. Selbst gehostet ist es unschlagbar günstig; die Cloud-Version ist der bequeme Mittelweg.
Nimm Zapier, wenn… Zeit für dich teurer ist als Geld, du eine App verbinden musst, die sonst niemand unterstützt, und dein Volumen klein bleibt. Es ist ein gutes Produkt — nur eben eines, bei dem du für Bequemlichkeit einen saftigen Aufpreis zahlst.
Und wenn du beides willst: Es spricht nichts dagegen, mit Make zu starten und später einzelne datensensible oder volumenstarke Workflows auf ein selbst gehostetes n8n umzuziehen. Genau so mache ich es.
Alle Preise: Stand Juli 2026, Listenpreise der Anbieter bei jährlicher Zahlung, ohne Gewähr. Prüfe vor dem Abschluss die aktuellen Konditionen beim Anbieter.